Selektives Trockenstellen bei Kühen: Von der Routine zur gezielten Entscheidung
Das Trockenstellen von Kühen ist weit mehr als eine Routineaufgabe. Rund 60 % der klinischen Mastitisfälle in den ersten 100 Tagen der folgenden Laktation haben ihren Ursprung in der Trockenstehzeit.
Ein erfolgreiches Trockenstellen bei Kühen bedeutet daher, die richtige Kuh zum richtigen Zeitpunkt mit der passenden Strategie zu begleiten.
COWHS unterstützt Milchviehhalter dabei, diese Entscheidungen für jede einzelne Kuh auf Basis von Daten und gezielten Untersuchungen zu treffen – statt sich ausschließlich auf Routinen oder Gewohnheiten zu verlassen.
Was bedeutet das Trockenstellen einer Kuh?
Das Trockenstellen beschreibt die gezielte Beendigung der Laktation, damit sich das Eutergewebe regenerieren und optimal auf die nächste Laktation vorbereiten kann.
Die Trockenstehzeit dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Während dieser Phase erneuert sich das milchbildende Gewebe, und die Kuh erhält die notwendige Erholungszeit vor dem Abkalben.
Die erste Woche nach dem Trockenstellen sowie die letzte Woche vor dem Abkalben gelten als die kritischsten Zeiträume. In diesen Phasen ist das Euter besonders anfällig für Neuinfektionen, wodurch das Risiko für Mastitis bei Kühen in der folgenden Laktation deutlich ansteigen kann.
Selektives Trockenstellen bei Kühen: Weniger Antibiotika, bessere Entscheidungen
Der routinemäßige Einsatz von Antibiotika beim Trockenstellen von Kühen ist in der Europäischen Union nicht mehr zulässig. Nicht jede Kuh darf daher standardmäßig antibiotisch trockengestellt werden.
Deshalb gewinnt das selektive Trockenstellen zunehmend an Bedeutung.
In der Praxis basiert die Entscheidung häufig auf den Zellzahldaten der Milchleistungsprüfung (MLP) sowie der klinischen Vorgeschichte der Kuh. Kühe mit dauerhaft niedrigen Zellzahlen und ohne klinische Mastitis während der laufenden Laktation weisen in der Regel ein geringeres Risiko auf. Diese Tiere können – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – ohne antibiotische Trockenstellbehandlung trockengestellt werden.
Häufig erfolgt dies in Kombination mit einem internen Zitzenversiegler.
Selektives Trockenstellen: Warum Messungen auf Zitzenebene wichtig sind
Beim selektiven Trockenstellen wird häufig ausschließlich die durchschnittliche Zellzahl der Kuh berücksichtigt. Auffälligkeiten einzelner Zitzen bleiben dabei oft unentdeckt.
Doch selbst bei einer niedrigen Zellzahl kann eine einzelne Zitze bereits von einer beginnenden Infektion betroffen sein. Dies erhöht das Risiko für Probleme während der Trockenstehzeit und kann die Eutergesundheit in der nächsten Laktation negativ beeinflussen.
Ein erfolgreiches Trockenstellen bei Kühen beginnt deshalb mit einer gezielten Untersuchung – pro Kuh und pro Zitze.
Trockenstellen bei Kühen beginnt mit der richtigen Diagnostik
Ohne verlässliche Daten bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung eine Einschätzung.
Die Diagnostik zeigt, wo die eigentlichen Ursachen liegen. COWHS übersetzt diese Erkenntnisse in konkrete, datengestützte Maßnahmen, die direkt auf Ihrem Betrieb umgesetzt werden können.
Der COWHS-Ansatz beim selektiven Trockenstellen
Gemeinsam mit Ihnen entwickelt COWHS ein individuelles Trockenstellkonzept, das zu Ihrem Betrieb und Ihrer Herde passt.
Keine Standardlösung, sondern eine Strategie auf Basis gezielter Diagnostik – immer in enger Zusammenarbeit mit Ihrem bestandsbetreuenden Tierarzt.
Dabei berücksichtigen wir:
- die klinische Vorgeschichte jeder einzelnen Kuh,
- Messungen auf Zitzenebene mit dem Q-Scout.
Eine bakteriologische Untersuchung ist in dieser Phase nicht immer erforderlich und wird daher nicht standardmäßig durchgeführt.
Mithilfe des Q-Scout unterscheiden wir zwischen:
- akuten Entzündungen, die eine sofortige Behandlung erfordern,
- chronischen Entzündungen, die gezielte Maßnahmen notwendig machen,
- selbstheilenden Entzündungen, die häufig ohne Behandlung ausheilen können.
Durch diese Differenzierung auf Zitzenebene lässt sich präzise bestimmen, welche Zitzen behandelt werden sollten – und welche nicht.
Die Vorteile des selektiven Trockenstellens
Ein datengestützter Ansatz beim Trockenstellen von Kühen ermöglicht:
- weniger unnötigen Antibiotikaeinsatz,
- gezielte Entscheidungen auf Zitzenebene,
- eine bessere Eutergesundheit in der nächsten Laktation,
- einen nachhaltigeren Umgang mit Antibiotika,
- einen optimalen Start in die nächste Laktation.
Die Diagnostik zeigt, wo die Ursachen liegen. COWHS übersetzt diese Erkenntnisse in konkrete, datengestützte Entscheidungen, die direkt auf Ihrem Milchviehbetrieb umgesetzt werden können.
Gemeinsam mit Ihnen und Ihrem bestandsbetreuenden Tierarzt entwickeln wir eine praxisnahe Strategie für das selektive Trockenstellen, die zu Ihrem Betrieb passt.
Wann sollte eine Kuh trockengestellt werden?
Eine Kuh sollte idealerweise bei einer Milchleistung von 12 bis 15 Litern pro Tag trockengestellt werden.
Bei einer höheren Milchleistung kann sich die Bildung des natürlichen Keratinpfropfens im Strichkanal verzögern. Dadurch steigt das Risiko für Neuinfektionen und Mastitis während der Trockenstehzeit.
Durch eine rechtzeitige Anpassung von:
- Fütterung und Rationsgestaltung,
- der Melkfrequenz,
kann die Milchleistung kontrolliert reduziert und die Kuh optimal auf die Trockenstehzeit vorbereitet werden.
Das Vorenthalten von Wasser oder Maßnahmen, die das Tierwohl beeinträchtigen, sind dabei keine vertretbaren Optionen.
Erfolgreiches Trockenstellen ist Teamarbeit
Ein erfolgreiches Trockenstellmanagement erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Deshalb arbeitet COWHS eng zusammen mit:
- dem bestandsbetreuenden Tierarzt,
- dem Fütterungsberater,
- dem Melktechniker.
Alle Untersuchungsergebnisse und relevanten Betriebsdaten werden in einer zentralen Cloud-Plattform zusammengeführt. So arbeiten Sie und Ihre Berater jederzeit auf Basis derselben Informationen.
Auf diese Weise entsteht ein individuelles Trockenstellprotokoll, das nicht nur wissenschaftlich fundiert ist, sondern sich auch praktisch in Ihrem Milchviehbetrieb umsetzen lässt.